Interregionale Zusammenarbeit in der Präzisionsmedizin

Zusammen mit einem Italienisch-österreichischen Konsortium forschen die Arbeitsgruppen Zellbiologie und Translationale Onkologie der Medizinischen Universität Innsbruck im Interreg-Projekt PreCanMed an der Züchtung von Tumor-Organoiden, um die personalisierte Krebsmedizin weiter voranzutreiben.

Die Krebsmedizin verfolgt in den letzten Jahren verstärkt das Ziel, teure und oft schlecht wirksame Standardtherapien durch individuell auf den Patienten abgestimmte Therapien zu ersetzen. Dabei werden Medikamente und Therapiewege basierend auf genetischen und zellulären Merkmalen eines Tumors ausgewählt, was nicht nur positive sozio-ökonomischen Folgen in Bezug auf Kosten und Lebensqualität der Patienten hat, sondern auch die Lebenserwartung und Heilungschancen von Krebspatienten erhöht. In den Regionen nördlich und südlich des Brenners entwickelten sich in den vergangenen Jahren starke Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen der personalisierten Krebsmedizin. Um diese Kompetenzen zu bündelt und um eine gemeinsame Kompetenz-Plattform aufzubauen, hat sich ein überregionales Konsortium von wissenschaftlichen und klinischen Partnern zusammengeschlossen. Mit einem Gesamtbudget von 1,3 Mio. Euro, davon über 1 Mio. Fördermittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung wollen die Partner mit dem Interreg Projekt PreCanMed in den kommenden 3 Jahren gemeinsam an einer Verbesserung der Behandlung von Krebspatienten arbeiten. Im Zusammenhang mit der Präzisionsmedizin bekommen die „Tumor-Organoide“ eine immer größere Bedeutung. Tumor-Organoide sind dreidimensionale Zellkomplexe die aus Tumorproben oder –biopsien erzeugt und im Reagenzglas kultiviert werden. Die ursprünglichen Eigenschaften des Patiententumors bleiben in den Tumor-Organoiden fast gänzlich erhalten. Tumor-Organoide können rasch erzeugt werden und sind somit ein ideales Instrument zur umfassenden Charakterisierung von Patiententumoren im Reagenzglas, ohne den Patienten zusätzlich zu belasten. Sie ermöglichen einerseits die genotypische Charakterisierung des ursprünglichen Tumors und erlauben es, Medikamente auf ihre Wirksamkeit bei diesem spezifischen Tumorgewebe vorab zu testen. Andererseits sind tumor-organoide Zellkulturen ein innovatives Instrument für „Drug-screening“ Projekte und sind mittlerweile state-of-the-art in der pharmazeutischen Wirkstofffindung. Interreg ist ein europäisches Förderprogramm, das grenzübergreifende Zusammenarbeit benachbarter Regionen finanziert. Durch Kooperationsprojekte zwischen österreichisch-italienischen Nachbarregionen sollen die wissenschaftliche Stärke und die Innovationskraft dieser Region gefördert werden. In Fall von PreCanMed sind aus Tirol neben der Medizinischen Universität Innsbruck auch das ADSI (Austrian Drug Screening Institut) Teil des grenzübergreifenden Konsortiums. Zusammen mit den Universitäten Udine und Triest und unter der Führung des Laboratorio Nazionale CIB in Triest soll Know-how für die Gewinnung, Kultivierung und Konservierung von Tumor-Organoiden (Live-Organoid-Biobank) aufgebaut werden. Weiters wird die genotypische Charakterisierung von Tumor-Organoiden standardisiert. Die Nutzung dieser Zellkomplexe für Wirkstofftests wird zudem etabliert und den Partner in der Medikamentenentwicklung zur Verfügung gestellt.


Weiterführende Links:


http://www.precanmed.eu Infografik Poster